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Es wird einen neuen „Masters of the Universe“-Film geben und ich hasse ihn schon jetzt

Vorgestern hat DeVon Franklin, der Senior Vice President of Production von Columbia/Sony dieses Bild hier getwittert:

MotU-LogoNeu

Dass He-Man und Skeletor irgendwann zurückkehren würden, war abzusehen, denn Gerüchte um einen neuen Film zur besten Spielzeugserie aller Zeiten kreisen seit Jahren durch die Welt. Das Projekt hing Ewigkeiten in der Pre-Production-Hölle fest, allein in den letzten Jahren waren immer neue Regisseure damit verbandelt, die aber letztendlich allesamt verheizt wurden. Zuletzt war alles wieder etwas konkreter geworden, als Franklin an Neujahr einen Scan der Titelseite des Drehbuchs veröffentlicht hatte:

MotU-ScriptIch hätte schon da vor Vorfreude zitterig werden sollen, aber ich dachte nur „Immerhin haben sie nicht den Titel geändert.“ Ich bin einer der größten denkbaren Masters-Fans unter der Sonne und sollte spätestens nach der Ankündigung von Samstag ausrasten vor Begeisterung. Stattdessen seufze ich nur frustriert in meinen Kaffee, und zwar aus diesen sechs Gründen:

1) CGI

MotU-Poster

Immerhin ohne Computergrafik-Schnickschnack: Die Verfilmung von 1987.

Schick ist das neue Logo, oder? Schön gerendert und mit einem Leuchten hinter dem T, und dann fehlt nur noch ein Lens-Flare-Ef…

Nein. Nicht, dass CGI nicht erstaunliche Dinge vollbringen kann, aber CGI in seiner verbreiteten Form ist der Tod des Kinos. Ich liebe zum Beispiel die Herr-der-Ringe-Trilogie. Natürlich steckt die voller digitaler Effekte, das ändert aber nichts daran, dass sehr, sehr Vieles einfach vor Ort war. Kulissen, Menschen in Kostümen, handgemachte Effekte. Die ein Jahrzehnt später in die Welt geworfene Hobbit-Trilogie dagegen ist zu großen Teilen vor grünen Wänden gedreht worden und fühlt sich deswegen über weite Strecken so an, als würde man jemandem beim Playstationspielen über die Schulter gucken. Masters of the Universe ist ein Franchise, das wie für ein CGI-Spektakel gedacht scheint, mit seinen Monstermenschen, seltsamen Kreaturen, exotischen Orten und riesigen Kriegsmaschinen. CGI aber lädt gleichzeitig ein zu überblasenem, größenwahnsinnigem und selbstzweckhaftem Mumpitz, und es gibt zu viel Kokain in Hollywood, als dass ein Regisseur oder Studio-Executive diese Einladung ausschlagen würde.

2) Dinge werden geändert werden, weil fuck you, Fans!

Dass die alte Masters-Verfilmung aus den 80ern mit Dolph Lundgren mehrheitlich nicht auf dem Planeten Eternia, sondern auf der Erde spielt, ist an sich furchtbar, aber auch nachvollziehbar dem geringen Budget geschuldet. Änderungen können aus triftigen Gründen passieren. Das erklärt aber nicht, wieso man damals einfach mal das Design aller Hauptfiguren umgemodelt hat. Das zum Beispiel ist He-Man:

He-Man

(Foto: He-Man.org)

Das ist Dolph Lundgren in einem Kostüm, das He-Man darstellen soll:

MovieHe-Man

Das ist Beast Man:

BeastMan

(Foto: He-Man.org)

Das ist der Bigfoot aus der Verfilmung, der ebenfalls den Namen Beast Man trägt:

MovieBeastMan

Das ist Orko als Spielzeug:

Orko

(Foto: He-Man.org)

Das ist Orko im Film:

MovieOrko

Man-At-Arms

Das trägt man jetzt so. (Foto: He-Man.org)

Es gibt dafür keinen Grund, keinen erzählerischen, keinen finanziellen. Natürlich kann man sich als Außenstehender darüber amüsieren, dass sich Fans über solche Sachen aufregen, aber diese Fans wollen nun einmal nicht die Vision eines Regisseurs umgesetzt sehen, sondern die Optik ihres Lieblings-Franchises. Das hier sind Änderungen um der Änderungen willen, und man spuckt damit den Leuten ins Gesicht, die sich den Film wahrscheinlich zehn Mal im Kino ansehen würden, solange Man-At-Arms nur einen Anzug aus grünem Ganzkörper-Spandex trägt.

Was sagt ihr? Die Produzenten nehmen diese ganzen Nerd-Franchises heute ernster als früher, und deswegen würden solche sinnlosen Updates nicht mehr passieren? Ach so. Altes Logo:

MotULogo

Neues Logo:

MotU-LogoNeu

Es geht schon los.

3) Der Tonfall

Es heißt von Studio-Seite immer, dass Masters of the Universe ganz, ganz schwierig umzusetzen sei, weil es ein so komplexes Franchise ist.

Nein, ist es nicht, MotU ist ein völlig schwachsinniges Franchise über aufgepumpte Muskeltypen in Fellhöschen, die gegen Muskelmonster in Fellhöschen kämpfen, mit Raumschiffen, Lasern, Schwertern und Höhlenmenschenkeulen. Mit mindestens so vielen Figuren und sich widersprechenden Hintergrundgeschichten wie die Bibel. Das einzige Szenario, in dem dieser Irrsinn trash- und ironiefrei denkbar ist, ist ein Sandkasten voller Sechsjähriger (was im Übrigen auch für die Bibel gilt, aber ich schweife ab).

Hollywood wird den Film tonal versemmeln. Er wird entweder eine Trashparade, was dem naiven Charme der Vorlage nicht gerecht würde, oder ein Gritty Reboot á la Christopher Nolans Batman-Trilogie, in dem alle immer so ernst und angespannt gucken, als würden sie grade kacken.

Preternia-Poster

Eigentlich ist es ein Charakterdrama.

4) Hollywoods bisherige Spielzeug-Verfilmungen

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Noch Fragen?

5) Meine Erwartungshaltung

Ich habe, wie wahrscheinlich jeder Fan, eine ziemlich klare Vorstellung davon, wie der perfekte Masters-Film auszusehen hat. Wenn ich aber mal schaue, was denn der gemeinsame Nenner ist, auf den ich mich mit wahrscheinlich allen anderen Fans einigen könnte, dann sind wir ziemlich leicht zufriedenzustellen: gebt uns einen Film mit einer simplen, aber nicht dummen Geschichte, Figuren, die wie echte Menschen wirken, und das Gefühl, als wären wir auf einem Kindergeburtstag in den 80ern. Wenn es wirklich optimal sein soll, müsste jede der Actionfiguren von damals einen egal wie winzigen Story-Moment im Film haben oder zumindest mal im Hintergrund vorbeigehen, und diese Charaktere sollen bitte aussehen wie ihre Plastik-Gegenstücke.

SnoutSpout

Sogar Snout Spout. (Foto: He-Man.org)

Und das ist alles. Man wirft Fans immer vor, sie hätten eine Erwartungshaltung an einen solchen Film, die einfach nicht erfüllt werden kann, aber das Problem sehe ich eigentlich nicht. Nichtsdestotrotz hat mein Misstrauen mit einer gewissen Erwartungshaltung zu tun. Natürlich wünsche ich mir einen guten Film, aber ich erwarte etwas ganz anderes:

6) Mein Zynismus

Masters of the Universe wird ein Superheldenfilm werden, weil die grade an der Kasse gut funktionieren. Prince Adams Geheimidentität als He-Man wird dafür absurd aufgebauscht und um eine Origin-Story erweitert, die mit nichts von dem, was das MotUniversum hergibt, irgendwas zu tun hat. He-Man ist am Anfang des Films ein unsympathisches Arschloch, das erst in einem umständlichen Character-Arc geläutert werden muss, und zu diesem Zweck taucht Skeletor auf, mit einem undurchsichtigen Plan, der irgendein Handelsabkommen oder sowas betrifft. Dann wird eine Actionszene mit frei fliegender Kamera eingeschoben, damit man vergisst, dass Skeletors Vorhaben keinen Sinn ergibt. He-Man zieht letztendlich los, um das Böse aufzuhalten, zusammen mit Man-At-Arms, Teela und zwei oder drei beliebigen Figuren aus der zweiten Reihe als Kanonenfutter. Dazu Musik von Linkin Park oder irgendwas, das nach dem Soundtrack von Fluch der Karibik klingt. Am Ende gibt es eine Schlacht zwischen zwei Heeren, weil es in Fantasy-Blockbustern am Ende immer eine Schlacht zwischen zwei Heeren gibt (außer in Der Hobbit – Die Schlacht der fünf Heere, wo es am Ende eine Schlacht zwischen vier Heeren gibt), auch wenn es darum bei MotU nie ging. Das ist aber egal, denn selbst am Ende von Tim Burtons Alice in Wonderland gab es eine Schlachtszene. Krieg ist halt populär wie nie.

GuardiansoftheGalaxy

Meh.

Ich bin mittlerweile große Blockbuster schlicht leid, weil ich zu viele seelenlose, perfekt durchgetaktete Hochglanzproduktionen nach zehn Minuten ausgeschaltet habe. Selbst wenn dann mal ein Film wie Guardians of the Galaxy darunter ist, bei dem die Welt einhellig befindet, dass er ziemlich gut sei, gemacht von Menschen, die ihre Jobs verstehen und in alle Details viel Herzblut investieren, sitze ich im Kino und nehme diesen ganzen Bombast achselzuckend hin. Warum sollte es mich interessieren, wenn da ein perfekter Computereffekt gegen einen anderen perfekten Computereffekt um das Schicksal einer perfekten Computereffektwelt kämpft? Was hat das mit meinem Leben zu tun? Oder überhaupt mit dem Leben von irgendjemandem?

Wahrscheinlich wird Masters of the Universe trotz allem ein Film, der unterhaltsamer ist, als stattdessen zwei Stunden lang auf den Tod zu warten. Worüber kann man das heutzutage schon noch sagen?



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Ein Kommentar

1) gban

21. August 2017, 08:24

Vielen Dank für die pointierten, witzigen und – leider wohl auch zutreffenden – Ausführungen. Leider bin ich wohl einer der Deppen, die es sich trotzdem ansehen werden wollen. Großes Lob auch über die 10 größten Albträume der motu-Sammler, ich habe herzhaft gelacht.

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