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Noch mehr Zeichen von Gott

Letztes Jahr hatte ich einen zweiteiligen Artikel geschrieben über den Propheten Gerhard R. aus Worms, der seit etwa zwei Jahrzehnten seine Botschaft auf allen Kanälen verbreitet: mittels Flugblättern, seit ein paar Jahren auch über eine Internetseite, und in Konferenzen mit einer Schar eifrig mitschreibender Fantasyautoren – letzteres zumindest bin ich mir zu wünschen geneigt, denn laut Herrn R.s Offenbarung wurde Hitler in der Hölle in einen Wurm verwandelt und zur Sonne geschossen, während der Papst, Helmut Kohl und Bill Clinton sich mit dem Teufel verbündet haben, der in (glaube ich) 11 unsichtbare Weltkriege verwickelt ist und im Jahr 2022 das Brandenburger Tor in eine Dimensionspforte verwandeln wird, um in unsere Welt zu gelangen und die Bevölkerung Deutschlands für den Holocaust zu strafen. Ich habe Hollywoodfilme mit weniger Sinn und deutlich weniger Unterhaltungswert gesehen, und deswegen finde ich dieses Szenario toll. Menschen wie Herr R. machen die Welt zu einem aufregenderen Ort.

Deswegen auch schaue ich mich gerne zwischendurch mal bei www.zeichen-von-gott.de um, um zu sehen, ob dem guten Mann irgendeine neue göttliche Botschaft zuteil wurde. Und das eine oder andere hat sich seit damals getan.

Angesichts des medialen Erfolgs konkurrierender Weltuntergänge hat Herr R. anscheinend erkannt, dass alles im Leben (und Nach-Leben) eine Frage guten Marketings ist, denn mit dem jüngsten Seiten-Update (Ende 2011) hat er sich die 2022 geknickt, ist stattdessen auf den Aufmerksamkeit versprechenden 2012-Doomsday-Express aufgesprungen und sieht das Ende aller Tage für das kommende Jahr dräuen:

Im Text selbst steht trotzdem noch ein paar mal 2022. Was soll’s – wenn es erst mal soweit ist, wird auch das keinen noch so heiligen Geist mehr stören.

Das ursprüngliche, unbeschriftete Bild hat sich Herr R. (völlig legal) von der Homepage der NASA geholt, und dabei wohl noch ein wenig gestöbert, denn seit neustem zeigt er auf seiner Seite eine Faszination für ein bestimmtes astronomisches Phänomen:

Und so weiter. Das schwarze Loch als solches ist seit der letzten Überarbeitung der Seite von einer Randerscheinung aufgestiegen zu einem globalkatastrophalen Player mit bestimmt zweieinhalb Dutzend Erwähnungen.

Man kann sich jetzt darüber echauffieren, dass das alles wissenschaftlich gesehen Humbug ist (Sterne fallen nicht runter, Rauch wird kaum aus einem Objekt aufsteigen, das sogar Licht schluckt, und als den Ort, an dem man keine einzige Sekunde abschalten kann und unendliche Qualen erleidet, würde ich persönlich eher die Kölner Innenstadt zur Karnevalszeit vermuten). Man kann auch darüber seufzen, dass Herr R. zwar eine ausnahmsweise mal wissenschaftlich belegbare Erscheinung für sich entdeckt, diese dann aber doch wieder mit schwurbeligem Christenbrimborium verziert, wie eine Omma, die in ein größeres Altenheimzimmer umquartiert wird und nicht den zusätzlichen Raum wahrnimmt, sondern nur die zusätzlichen Wände, an die sie nun noch mehr Autogrammkarten von den Flippers pinnen kann. Man kann sich aber genausogut freuen, dass Herrn R.s Wunderwelt nun noch awesomer als vorher geworden ist. Wenn jetzt noch weitere SciFi-Elemente und ein paar Saurier dazukommen, würde ich mir wünschen, in seinem Kopf Urlaub machen zu können.

Neben ein paar Dutzend schwarzen Löchern ist auch noch ein kleines, mir bislang unbekanntes biographisches Detail in den überarbeiteten Text gerutscht:

Und seit ich Filme mit Jackie Chan sehe, bin ich Fachmann für die chinesische Wirtschaftsexpansion.

Schön zu sehen jedenfalls, dass Herr R. seine Seite so liebevoll pflegt und das Netz durchstöbert, um kontinuierlich seinen Horizont zu erweitern. Offenbar gehört er außerdem zu denjenigen, die regelmäßig den eigenen Namen oder zumindest den Namen des eigenen Web-Projekts googeln, denn nur so ist zu erklären, dass er auf meinen Artikel gestoßen ist. Im Mai dieses Jahres meldete er sich in den Kommentaren zu Wort, um durchzugeben, dass seine Seite nach ein paar Monaten Funkstille wieder erreichbar sei. Das war sie tatsächlich, den Kommentar aber hatte ich nicht für authentisch gehalten – bis ich auf Zeichen-von-Gott.de dann das hier gesehen habe:

Der Link verweist auf den zweiten Teil meines Texts. Ich bin ein bisschen stolz. Auch die ambivalente Beschreibung geht für mich in Ordnung, ich bin schließlich auch der Meinung, dass Herr R. seltsame Vorstellungen über die Realität pflegt. Der echte Knaller findet sich aber weiter unten auf der Seite:

Das ist ein von Dirk M. Jürgens gezeichneter und von mir zusammengestoppelter Bestandteil meines Artikels, allerdings mit teilweise anderen Texten. Auch Dirks Signatur wurde dezent entfernt.

Tja. Herr R. war offenbar der Meinung ein Brandenburger Tor mit Hakenkreuzemblem, fiesen Augen und vielen spitzen Zähnen würde die Ernsthaftigkeit seines Anliegens unterstreichen. Gefragt hat er uns natürlich nicht, aber erstens ist er ja so liebenswürdig, uns zu verlinken (wenn auch geschätzte zehn Meter weiter oben auf der Seite), zweitens ist das Bild etwas versteckter als unverändertes Original zu finden und drittens habe ich ja auch nicht gefragt, als ich ihm eine ellenlange, mit zig Zitaten seiner Texte vollgestopfte Huldigung gewidmet habe.

Nun sieht es also danach aus, als würden er und ich das Treiben des jeweils anderen durchaus mit einigem Interesse verfolgen. Man liest sich gegenseitig, man zitiert sich gegenseitig – und doch ist jeder persönliche Kontakt bislang bedauerlicherweise ausgeblieben. Das würde ich nun gerne ändern. Herr R., wie wär’s mit einem Interview?




4 Kommentare

1) Dietmar

10. Dezember 2011, 01:47

“doch ist jeder persönliche Kontakt bislang bedauerlicherweise ausgeblieben. Das würde ich nun gerne ändern.”

Du gehst auch immer da hin, wo´s weh tut, oder?

Respekt.

2) Der Apostel Abraham Wiege der Menschheit

20. Dezember 2013, 20:18

Noch mehr Zeichen von Gott
Von Euch hört man Garnichts mehr Zeichen von Gott lebt auch von Kritiken Anscheinend habt Ihr Angst vor mir Zeichen von Gott ganz bestimmt nicht Es lebe Zeichen von Gott und die Scheintoden wie Ihr das eigentlich seid können sich jederzeit melden Sie haben sehr schöne Bilder gemacht die ich doch glatt übernommen habe weil von der Realität will keiner was wissen Und die ist in der Hölle grauenhaft Wir haben zu verhindern das diese Menschheit komplett in die Hölle kommt Leider will das keiner wahrhaben Es gibt ein Reich des Luzifers und da befindet sich die kleine Erde Es gibt aber auch ein Reich Gottes und da soll jeder Mensch hinkommen und dafür haben wir Alle zu sorgen Ich danke für Bilder Sie werden auf jeden Fall dabei beitragen das diese Welt endlich ins Paradies geht und endlich gerechter wird
Mit freundlichen Grüßen Gerhard Rothkegel

3) Lukas

21. Dezember 2013, 23:33

Gerhard, alter Apostel! Wir machen’s einfach so: wenn die Welt irgendwann entsprechend Ihrer Prophezeiungen tatsächlich untergehen sollte, schreibe ich Ihre Biographie. Die können nach der Apokalypse zwar nicht mehr so viele Menschen lesen, aber dafür muss man dann für einen echten Bestseller auch nicht mehr so viele Exemplare verkaufen. Deal?

4) Alter Verwalter

21. Januar 2015, 11:17

Was für eine kranke Scheiße in den Köpfen mancher Menschen vor sich geht!

Hat man Herrn R. jetzt mittlerweile in die Anstalt eingewiesen?

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