Der virtuellste Vergnügungspark der Welt

Schräge Vögel

Ich sammle seit zig Jahren allerlei Zettel, Briefe, Flyer, Webseiten, Aushänge und hastdunichtgesehen. All diesen Dokumenten gemein ist, dass sie von Leuten stammen, deren Wahrnehmung völlig inkongruent zu der meinen ist (und vermutlich auch zu der der meisten anderen Menschen). Mit anderen Worten: die Verfasser sind allesamt übergeschnappt. Manche sind es nur in homöopathischen Dosen, halt ein kleines bisschen seltsam, andere dagegen sind rundheraus wahnsinnig und stellen eine Gefahr für sich und andere dar.

Wann ich mit der Sammelei angefangen habe, weiß ich nicht mehr, ich erinnere mich aber daran, dass ich so um 2001 herum in einem Uni-Seminar saß. In der Reihe vor mir saß ein Typ mit blonden Minipli-Locken, Kinnbart und Brille. Ich hatte den Kerl noch nie zuvor gesehen, aber plötzlich drehte der sich zu mir um, und zischte mir zu, dass wir beide auch gerne mal rausgehen könnten, um das (was immer “das” auch sein sollte) in einer zünftigen Prügelei zu klären. Es war ihm todernst. Ich musste daraufhin mitten im Seminar einen Lachanfall unterdrücken (die Situation war einfach zu grotesk), bis ich dann gesehen habe, dass der besagte Typ die ganze Zeit auf seinem Schreibblock gekritzelt hatte – die Seite war voller hundertprozent naturalistisch gemalter Automatikpistolen, inklusive präziser Modellbezeichnungen. Plötzlich hatte die Angelegenheit irgendwie schon noch ein, mit Verlaub, anderes Kaliber. Ich habe meinen Beinahe-Gegner danach zwar nie wieder gesehen, aber spätestens da war mir klar, dass vermutlich (und grob geschätzt) zehn Prozent der Menschheit geistesgestört sein müssen. Anders ließ sich nicht erklären, dass mir mit schöner Regelmäßigkeit solche Freaks über den Weg  liefen.

Viele dieser schrägen Vögel legen großen Wert darauf, dass man sich langfristig mit ihnen auseinandersetzt und fixieren ihre fixen Ideen deswegen in schriftlicher Form, und so habe ich über die Jahre hinweg einen ganzen Ordner mit gedruckten Gedankengängen grenzwertiger Natur füllen können. Ich hatte schon ewig mal vor, den Stapel für die Öffentlichkeit aufzubereiten. Das ganze soll eine Artikelserie werden – Jeden Freitag gibt’s was Neues. Die Übersicht findet ihr künftig oben in der Navigationsleiste. Grade eben online gestellt habe ich den ersten Teil meiner Erlebnisse mit einer schreibfreudigen Nachbarin, die in einer ganz eigenen Welt zwischen gotischem Horror und Science Fiction lebt: Who You Gonna Call? – Frau M. und die Geisternebel aus dem Cyberspace.




Ein Kommentar

1) LeFürscht

1. August 2010, 01:40

Ganz großes Kino (trotz Schriftform ;), welches künftig in schön braver Regelmäßigkeit mitverfolgt wird. Vielleicht ja auch eine Idee für ein künftiges Buchprojekt, zumindest stelle ich mir einen kommentierten Querschnitt durch den gesammelten urbanen Irrsinn ziemlich spannend vor.

Es grüßt,

der Fürscht

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