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Fantasy Filmfest 2012: The Dinosaur Project

Auf einem afrikanischen Fluss wird ein treibender Rucksack mit Festplatten darin gefunden, auf denen sich die Videodaten einer verschollenen Expedition von Kryptozoologen befinden, die im Kongo auf der Suche nach noch heute lebenden Dinosauriern waren. The Dinosaur Project, ein, so will’s die Texttafel zu Beginn, Zusammenschnitt dieses Materials, erzählt die Geschichte der Verschwundenen.

Found-Footage-Horrorfilme á la Blair Witch Project haben gerade mal wieder Konjunktur. Paranormal Activity und Apollo 18 war zuletzt Erfolg im Kino beschieden, warum also nicht mal was mit Sauriern? Gedreht von einem Typen, der sonst Saurier-Dokus dreht, mit CGI-Effekten und so. Das Ganze nennt man dann, kreativ, kreativ, The Dinosaur Project und lässt es aufs Fantasy-Filmfest-Publikum los. Das sich nicht amüsiert zeigte. Beziehungsweise schon, indem es den Film auslachte.

Das Stirnrunzeln beginnt bereits, wenn uns ganz zu Anfang die Nachrichtensprecherinnenüberstimme erklärt, dass das Expeditionsteam von einer Fernsehanstalt mit State-of-the-Art-Equipment ausgerüstet wurde – und dazu sehen wir, wie die Forscher mit ein paar kleinen Aldi-Camcordern hantieren. Das Stirnrunzeln geht weiter, wenn die Expedition auf dem Hinflug in den Dschungel noch mal umkehren muss, es dann aber heißt, dass das nicht ginge, weil man bereits zu viel Treibstoff verbraucht hat, als dass man den Flughafen noch erreichen könnte. Ja, was war denn dann bitte der Plan? Einfach mal in die offene Wildnis fliegen und hoffen, dass da irgendwo ein paar Dinos eine Tanke aufgemacht haben? Das Stirnrunzeln nimmt klingonische Dimensionen an, nachdem die Expedition auf Saurier gestoßen ist, Saurier auf Video gebannt hat und eigentlich nach Hause könnte, aber darüber nachdenkt, tiefer in das Gebiet einzudringen. Ein Beweis für die Existenz von Sauriern alleine wären schließlich kein sensationeller Erfolg, nein, nur noch mehr Saurier-Bilder versprechen Ruhm und Reichtum. Mobiltelefone repariert man offenbar, indem man sie stundenlang unmotiviert mit einem Schraubenzieher berührt, und wenn sie dadurch dann tatsächlich irgendwann aus heiterem Himmel wieder funktionieren, ruft man damit keine Hilfe, sondern wartet, bis sie wieder kaputt gehen. Und die Kardinalsfrage bei Found-Footage-Horror, nämlich warum die Protagonisten nicht irgendwann ihre Kameras wegschmeißen und zu rennen anfangen, ignoriert der Film sowieso.

Dieser hanebüchener Quatsch zieht sich konsequent durch den ganzen Film. Die Unfähigkeit der Macher, eine Sache zu Ende zu denken, geht sogar soweit, dass sie offensichtlich nicht mal das Found-Footage-Konzept kapiert haben. Nur so ist zu erklären, dass einer der Expeditionsteilnehmer mit laufender Kamera in der Hand von einem Dino-Viech gefressen wird – und wir Bilder aus der Perspektive eben dieser Kamera sehen, obwohl die im Magen des Reptils verbleibt. Ja, das ist durchaus medienwissenschaftlich total interessant und so, war aber im Leben kein beabsichtigter Bruch. Deutlich wahrscheinlicher ist es, dass die Leute hinter der (eigentlichen) Kamera schlicht Idioten sind.

Die wenigen, noch darüber hinaus maximal okay aussehenden Dinoeffekte hauen heute, bald zwanzig Jahre nach Jurassic Park niemanden mehr aus dem Kinosessel, und selbst die drei JP-Filme hatten mehr Splatter und Schockeffekte als dieses kleine Independent-Gürkchen, das auf die Bedürfnisse großer Studios und die Befindlichkeiten eines großen Publikums nun wirklich keine Rücksicht nehmen müsste. The Dinosaur Project ist selbst aus dieser Perspektive indiskutabel inkompetenter Kappes, bis zur Lächerlichkeit unlogisch, bis zur Müdigkeit spannungslos, bis zum Erbrechen verwackelt. The Bad.



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6 Kommentare

1) Linus Misera

28. August 2012, 23:45

Das klingt ja wirklich umwerfend. Errinnert mich an den „Letzten Exorzismus“, wo das Found-Footage-Format ja sogar durch Soundtrack(!) angereichert wurde – ganz zu Lasten der ohnehin strapazierten Glaubwürdigkeit.

„Ja, was war denn dann bitte der Plan? Einfach mal in die offene Wildnis fliegen und hoffen, dass da irgendwo ein paar Dinos eine Tanke aufgemacht haben?“
Sehr schön. Gute Review und die lustigste Warnung, die man für einen solchen Film aussprechen kann.

2) DMJ

28. August 2012, 23:45

Den “Kardinalsfehler” fand ich hier relativ umgangen, da die Figuren ja zusätzlich diese kleinen Ansteck-Kameras an den Klamotten hatten, die sie ja nun auch in Gefahrensituationen nicht behinderten.
Aber das hilft dem Film auch nicht mehr…

3) Lukas

29. August 2012, 06:49

@Linus: Wie ich oben schon schrub und auch durchaus ernst meinte: sowas KANN man machen, wenn man die Found-Footage-Nummer weniger als inhaltlichen, sondern als formellen Rahmen nimmt. Natürlich ist das dann unlogisch, ist aber egal, solange es funktioniert. Mein Verdacht ist angesichts des restlichen Quatschs allerdings, dass die Dinosaur-Project-Macher wirklich nicht kapiert haben, was sie da tun.

@DMJ: der Kameramann schleppt bis zu seinem bitteren Ende eine dicke Schulter-Cam durch die Gegend, und auch die anderen Expeditionsteilnehmer haben mehr dabei als die kleinen Ansteck-Dinger. Einer der wenigen Filme, die dieses Kamera-Dilemma bislang in den Griff bekommen haben, ist V/H/S – aber zu dem kommen wir noch.

4) Linus Misera

29. August 2012, 14:16

@Lukas
Das stimmt schon und es ist ja nicht so, dass ich die neue Found-Footage-Generation per se ablehne. Entgegen aller Unkenrufe fand ich „Paranormal Activty“ bisher recht überzeugend. Der Boom des Formats schmwemmt aber halt auch den üblichen Unrat mit an, den so ein Hype mit sich bringt.

5) Peroy

29. August 2012, 16:04

“Found-Footage-Horrorfilme á la Blair Witch Project haben gerade mal wieder Konjunktur. Paranormal Activity und Chernobyl Diaries war zuletzt Erfolg im Kino beschieden, warum also nicht mal was mit Sauriern?”

“Chernobyl Diaries” ist kein Found Footage-Streifen…

6) Lukas

29. August 2012, 18:33

@Linus: Paranormal Activity ist Blödsinn. Keine Diskussionen.

@Peroy: Ich hab’s bislang nicht ins Kino geschafft und bin auf der Basis dessen, was ich gehört hab, blindlings davon ausgegangen. Mein Fehler, ist korrigiert.

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