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Fantasy Filmfest 2011 – Tag 5

Cold Fish Super A horrible way to die A lonly place to die End of Animal

Cold Fish / Tsumetai nettaigyo

Der Vater einer dysfunktionalen Familie gerät in die Kreise der Unterwelt, nachdem seine Tochter bei einem Ladendiebstahl ertappt wurde.

Kein Yakuza-Film, sondern ein hartes, teils brillant gespieltes Drama mit Thriller-Anleihen und zahllosen ruppigen Entgleisungen um einen ängstlichen, passiven Mann, der von einem monströsen, herrschsüchtigen Verbrecher an seine Grenzen getrieben wird. The Good.

Super

Ein Simpel wird von seiner Frau verlassen und gerät in eine Lebenskrise, aus der er sich befreit, indem er zum Superhelden wird. Der Rest der Welt hält ihn allerdings für einen gemeingefährlichen Psychopathen, der herzlich wahllos andere Menschen krankenhausreif prügelt.

James Gunns Super steht in einer Reihe mit Kick Ass und Watchmen, Filmen, die den Superhelden dekonstruieren, indem sie ihn an der Realität messen und ihn als Zyniker oder Faschisten entlarven.

Es ist auch die Geschichte eines Mannes, der die eigene Machtlosigkeit überwindet, indem er sich die imaginären Machtsymbole der Comicwelt aneignet. Das ist zunächst lachhaft (wobei man es Gunn hoch anrechnen muss, dass er seine Figuren nie der Lächerlichkeit preisgibt). Als aber reale Gangster mit realem Blei auf ihn zu schießen beginnen, wird es problematisch – das Autorenwerk (Regie, Drehbuch, Schnitt) von Comedy-Experte Gunn (Slither, PG Porn) ist eben keine reine Komödie, sondern Actionfilm, Exploitation, tieftrauriges Drama.

Die Spielfreude der Darsteller und die quirlige, einfallsreiche Regie machen den Film endgültig zu einem der besten des Jahres – nicht nur auf das Festival bezogen, sondern insgesamt. The Good.

A Horrible Way to Die

Eine trockene Alkoholikerin beginnt eine Romanze mit einem anderen Mitglied ihrer AA-Gruppe. Gleichzeitig bricht ein berüchtigter Serienmörder aus, mit dem sie einstmals eine Beziehung hatte. Auf der Handlungseben haben die beiden Stränge über weite Strecken nichts miteinander zu tun, wohl aber auf einer strukturellen: für die Trinkerin stellt der Alkohol genauso eine Sucht dar wie für den Mörder das Töten.

Der Film ist teilweise in Rückblenden erzählt, deren Beginn oder Ende aber nicht in irgendeiner Weise gekennzeichnet werden. Dazu kommt, dass Regisseur Adam Wingard anscheinend kein ausgeprägtes Interesse daran hat, tatsächliche Handlungen zu filmen, sondern sich mit deren Ergebnissen begnügt. Was eigentlich passiert ist, muss sich der Zuschauer meistens denken. Dabei kommt ein Film heraus, dessen nette Grundidee in verwirrendem Kunstgehudel untergeht.

Das teuerste am Film war vermutlich der Jack Daniels für den Kameramann (Ebenfalls Wingard). Der schlingert wie besoffen herum und lässt das Bild gerne mal in Unschärfen abkippen. Vielleicht war das Absicht und sollte zum Alki-Thema passen, eine Zumutung ist es aber trotzdem.

Immerhin ist das Sounddesign exorbitant gut. Trotzdem: The Bad.

A lonly place to die

Fünf Bergsteiger platzen durch Zufall in eine Entführung, als sie ein im Wald gefangenes Mädchen befreien. Deren Kidnapper sind darüber nicht erfreut und gehen auf die Jagd.

A lonely place to die beginnt wie ein Standard-Backwoodthriller, wie man ihn auf dem Festival beinahe in jedem Jahr geboten bekommt. Das aber war den Machern wohl auch bewusst, und so locken sie den gelangweilten Genre-Fan hier und da auf falsche Fährten, um dann die Daumenschrauben anzuziehen: der Film gerät mit fortschreitender Laufzeit zu einem blendend inszenierten Actionkracher, der nicht einen Gefangenen macht – Was hier alles kaltblütig über den Haufen geschossen und gestochen wird, ist schon ganz erstaunlich.

Einzig störend ist der Videolook in den Panorama-Ansichten der Berge, das aber dürfte dem vermutlich überschaubaren Budget geschuldet sein. The Good.


End of Animal

Ein seltsamer Typ steigt in ein Überlandtaxi ein und verunsichert den Fahrer und die schwangere Passagierin auf der Rückbank, indem er persönlichste Details aus deren Leben wiedergeben kann. Gleichzeitig zählt er immer mal wieder einen Countdown herunter. Als der bei Null angekommen ist, macht es Buff und alle werden ohnmächtig. Als die Schwangere wieder erwacht, ist sie allein und alle elektrischen Geräte sind ausgefallen.

Vorneweg: Der für vermutlich eine Handvoll Won gedrehte End of Animal ist der erste Film in diesem Jahr, bei dem ich vor Schluss gegangen bin, nach ungefähr der Hälfte der Laufzeit. So was mache ich nicht oft, und wenn, dann hat es einen Grund. Den gab es, aber schon vorher gab es genug Anlass, davon auszugehen, dass der Streifen nicht mehr die Kurve kriegt. Dafür sorgt die trantütige Inszenierung, Schauspieler, die dümmlich in die Gegend starren, als hätten sie ihren Text vergessen und eine Handlung, in der nichts weiter passiert, als dass Leute bei beschissenem Wetter auf Landstraßen hin und her laufen.

Die Handlungen der Figuren sind dabei völlig unverständlich. Die Szene, die bei mir endgültig den Geduldsstrick hat reißen lassen? Die Schwangere hat sich an einer Scherbe den Fuß aufgeschnitten und blutet wie ein Schwein. Sie ist ohne Schuhe oder wärmende Kleidung mitten im regnerischen Nirgendwo unterwegs. Ein Fahrradfahrer wuchtet sie auf den Gepäckträger, um sie zur nächsten Raststätte zu fahren. Der Dreizehnjährige, der sich an ihre Fersen geheftet hat, beschwert sich daraufhin, dass seine Mutter verschwunden und bei ihm zuhause der Strom ausgefallen ist. Für drei Leute ist kein Platz auf dem Fahrrad, also entscheidet der Fahrradfahrer scharfsinnig: “Dann bringe ich erst mal den Jungen zur Polizei.” Irgendwo muss man auch als wohlmeinender Zuschauer den Schlussstrich ziehen. The Bad.



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2 Kommentare

1) Peroy

21. August 2011, 17:56

Outbackwoods…

2) Lukas

22. August 2011, 02:31

Danke, ist korrigiert. Das kommt davon, wenn man seine Reviews morgens um fünf schreibt.

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